Wie kommt die Generation Z zur Altersvorsorge? – DIA Altersvorsorge (2024)

Autor: Andreas Görler

Schlagworte: Artikel, Fachwissen

Zur Nachfolgegeneration der „Millenials“, auch „Zoomer“ genannt, gehören die zwischen 1997 und 2012 Geborenen. Ein Merkmal dieser Generation: Sie vollzieht eine klare Trennung zwischen Privatleben und Beruf und nennt es Work-Life-Balance.

Nach den Ergebnissen einer deutschen Metastudie aus dem Jahr 2021 ist die Generation Z die sicherheitsbewussteste, erfolgsorientierteste, wissbegierigste, digital affinste und autonom erzogene Kohorte am Arbeitsmarkt. Viele von ihnen erwarten orts- und zeitunabhängiges Arbeiten, also Flexibilität aus Sicht der Arbeitnehmer, bei zugleich festem Arbeitsplatz im Unternehmen. Die Zeit mit der Familie, Freunden und fürs Hobby hat für die Generation Z eine hohe Priorität. Gedanken an eine rechtzeitige Planung der Altersvorsorge können dabei in den Hintergrund geraten.

Wie kommt die Generation Z zur Altersvorsorge? – DIA Altersvorsorge (1)

Zunächst können junge Menschen zwei Faktoren einsetzen, die unterstützend wirken und selbst beeinflusst werden können: die eigene Arbeitskraft und relativ viel Zeit. Beide Faktoren müssen aber auch aktiv genutzt werden. Zunächst sollten Arbeitsverhältnisse in Vollzeit angestrebt werden, damit eine möglichst hohe Sparquote erreicht werden kann. Gleichzeitig sollte so früh wie möglich mit Sparplänen begonnen werden, damit der Zinseszins-Effekt eine hohe Wirkung entfalten kann.

Am Anfang steht am besten eine Aufstellung über regelmäßig notwendige Ausgaben und ihre Relation zu den Einnahmen. Daraus ergibt sich der Betrag, der monatlich zum Sparen zur Verfügung steht. Gleichzeitig sollte man Beratung bei der Hausbank oder freien, unabhängigen Finanzdienstleistern suchen. Das vermeidet Fehler und liefert zusätzliche Hinweise, die man sonst wahrscheinlich nicht berücksichtigen würde.

Indirekt können junge Menschen aus der Generation Z über eine deutlich höhere Wahlbeteiligung politischen Druck erzeugen und so auch ihren Einfluss auf die sozialen Systeme geltend machen. Gleichzeitig sollte die junge Bevölkerungsgruppe nicht kommunizieren, dass sie aus der gesetzlichen Altersvorsorge ohnehin nichts erwartet. Tut sie das, findet sie bei der jeweiligen Regierung dann auch wenig Fürsprache. Wer nicht wählt und auch keine Erwartung äußert, findet keine Berücksichtigung. Dann entscheiden tendenziell weiter Rentner und die geburtenstarken Jahrgänge, wie die Politik die gesetzliche Rentenversicherung reformiert oder auch nicht.

Notwendige Absicherung nicht vergessen

Wer volljährig ist, in einer eigenen Wohnung lebt, mit einer Ausbildung beginnt oder einer beruflichen Tätigkeit nachgeht, ist für sich selbst verantwortlich und sollte sich zunächst um eine geeignete Kranken-, Haftpflicht- und Hausratversicherung kümmern. Da die Arbeitskraft ein relevantes Gut und Mittel zur Erreichung aller persönlichen Ziele ist, sollte man sich auch früh neutral zu einer geeigneten Berufsunfähigkeitsversicherung beraten lassen. Ein Rat dazu: lieber einen unabhängigen Versicherungsmakler wählen und auf Kombinationsprodukte verzichten. Statt dessen stets Geldanlage und Versicherung getrennt halten.

Besteht ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis, sollte nach vermögenswirksamen Leistungen (VL) gefragt werden. Wer unter bestimmten Einkommensgrenzen liegt, erhält zusätzlich staatliche Förderungen. Verträge für vermögenswirksame Leistungen laufen in der Regel sieben Jahre. Sechs Jahre davon wird eingezahlt, das siebte ist ein Ruhejahr. Nach den sieben Jahren ist der Anlagebetrag frei verfügbar. Ein neuer Vertrag ist schon nach dem sechsten Jahr möglich. Seit 1984 gibt es die Möglichkeit, die VL in Investmentfonds zu investieren. Das Angebot an Fonds ist meist eingeschränkt und bezieht sich in der Regel auf aktive Fonds der gewählten Hausbank. Trotzdem hat sich diese Variante seit 40 Jahren bewährt. Junge Menschen sollten grundsätzlich höhere Aktienquoten vorziehen.

VL sind ein guter, einfacher Start, auch für die Generation Z. Außerdem wird die Sparrate gleich mit der Gehaltszahlung angelegt. Man kommt daher erst gar nicht in die Versuchung, den Betrag unüberlegt zu konsumieren. Zudem sammeln VL-Sparer relativ unaufgeregt Erfahrungen an den Kapitalmärkten.

Für Einzelpersonen, die keine Kinderförderung erhalten, sind die derzeit verfügbaren Riester-Produkte eher nicht ratsam. Bei diesen Verträgen wirken sich die Garantiemechanismen, die Kosten und die hohen unterstellten Lebenserwartungen bei der anschließenden Rentenversicherung ungünstig aus.

Unterschiedliche Optionen für die Fondsselektion

Neben staatlich geförderten Optionen gibt es genügend Möglichkeiten, ohne Förderung, aber eben auch ohne Einschränkungen privat, über den Kapitalmarkt, eine Altersvorsorge aufzubauen. Entscheiden sich Sparer für das Angebot einer klassischen Bank, ist die Auswahl meist auf die dort angebotenen Fonds beschränkt, was nicht automatisch schlecht sein muss. Sollen es ETF sein, bietet die Internetseite www.justetf.com genügend Auswahl und Selektionsmöglichkeiten. Bei den meisten Online-Banken gibt es ein großes Angebot an aktiven Fonds mit entsprechenden Filtern.

Wer sich auf nachhaltige Produkte fokussiert, ist auf der Internetseite des FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen) www.forum-ng.org unter der Rubrik „Qualität und Standards“ (FNG Nachhaltigkeitsprofile), gut aufgehoben. Sucht man aber auf neutralen Internetseiten, muss man zusätzlich stets prüfen, ob der gewählte Fonds bei der eigenen Bank sparplanfähig ist, oder man entscheidet sich für ein zusätzliches Depot bei einer Fondsbank

Nicht von großen Beträgen abschrecken lassen

Ein liquides Vermögen von beispielsweise 500.000 Euro aufzubauen, ist nicht einfach und fordert Disziplin und meist auch Konsumverzicht. Ist man in der Lage, 200 Euro im Monat zu sparen, und unterstellt eine jährliche Verzinsung von vier Prozent nach allen Kosten und nach Abzug der Abgeltungssteuer, entstehen nach 20 Jahren ca. 70.000 Euro und nach 30 Jahren etwa 128.000 Euro. Erreicht man eine Nettorendite von fünf Prozent, erhöhen sich die Beträge auf 77.000 Euro bzw. 150.000 Euro.

Man müsste schon 675 Euro im Monat 30 Jahre zu fünf Prozent investieren, um auf etwas mehr als 500.000 Euro zu kommen. Eine Rate von ca. 400 Euro im Monat müsste umgekehrt mit acht Prozent netto verzinst werden, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Während der Laufzeit sollte man immer den Sparerfreibetrag optimal ausnutzen und auch mal Gewinne realisieren und die Anteile dann wieder zurück kaufen. Die geringen Kosten, die dabei entstehen, fallen hier nicht so stark ins Gewicht.

Außerdem sollte man auf Garantien verzichten. Die sind bei so langen Zeiträumen unwichtig und kosten einfach zu viel. Selbst die eher nicht so extrovertiert ausgerichteten Verbraucherverbände beziffern das statistische Verlustrisiko einer breit diversifizierten Aktienanlage über 30 Jahre mit null Prozent.

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Gastautor Andreas Görler ist zertifizierter Fachmann für nachhaltige Investments und Senior-Wealth-Manager bei der -Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH. Mehr von diesem und weiteren Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de

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